Freitag, 8. Juni 2018

Warum ich viele Bücher aussortiert habe und weniger Rezensionsexemplare anfragen werde

„In einer Welt, in der man nur noch lebt,
Damit man täglich roboten geht,
Ist die größte Aufregung, die es noch gibt,
Das allabendliche Fernsehbild.“
 (Die toten Hosen – Hier kommt Alex)

Warum ich Bloggerin geworden bin:
Ich habe schon immer gerne gelesen, als Kind war ich mit dem Tiger Team Geheimnisse aufdecken und später habe ich Jugendbücher und Fantasy für mich entdeckt. Harry Potter war für mich eine kleine Offenbarung und ich habe jedem neuen Band entgegengefiebert. Was liegt also näher als darüber zu schreiben, was ich so lese? Also habe ich 2012 mit meinem Blog angefangen, ohne von Rezensionsexemplaren oder einem SuB zu wissen. Ich habe einfach über die Bücher geschrieben, die ich im Regal hatte und die ich mit der Zeit gelesen habe. Zu der Zeit habe ich auch meine Lieblingsbücher nochmal gelesen. Und nochmal. Und nochmal. Ich weiß gar nicht, wie oft ich schon Harry Potter gelesen habe. Ich weiß aber ganz genau, dass es wie nach Hause kommen war, dass mir jedes mal andere Sachen aufgefallen sind, und dass ich manchmal auch das Gefühl vermisse, diese Bücher das erste Mal zu lesen.

Sechs Jahre später habe ich über 450 Bücher, die ich alle eigentlich gerne nochmal lesen wollen würde. Doch da ist der Rezensionsdruck, der irgendwo in meinem Hinterkopf lauert, sobald die Rezensionsexemplare bei mir eintrudeln (Rezensionsexemplare sind Rudeltiere!). Natürlich ist es ein Zwang, den ich mir selber auferlege, da ich die Bücher anfrage.
Dann ist da noch der Stapel ungelesener Bücher (SuB), der irgendwie immer größer wird, oder gleich bleibt. Egal wie viel ich lese und abbauen möchte, so wirklich schaff ich das nicht. Manchmal artet das alles in Arbeit aus. Dabei lese ich doch, weil ich Spaß daran habe neue Welten kennen zu lernen, und nicht weil ich Bücher „abarbeiten“ muss. Zumindest war das mal der Grundgedanke dieses Blogs.

Warum ich sehr viele Bücher aussortiert habe:
Warum lese ich also? Weil es mir Spaß macht neue Welten kennen zu lernen, weil ich mich vor einer ganzen Zeit für die Geschichten begeistern konnte und weil es auch ein wenig die Realität vergessen lässt. Doch bei dieser fanatischen Flucht in eine andere Welt, um überhaupt nicht an die Realität denken zu müssen, habe ich das wesentliche aus den Augen verloren: Meine Begeisterung für Charaktere, Welten und ihre Geschichten.
Wenn ich ehrlich zu mir bin, sind meine Rezensionen alle irgendwie gleich. Banal. Und Bücher begeistern mich nur noch selten so überschwänglich. Das fehlt mir. Ich möchte mit meinen Rezensionen Leute mitreißen und sie dazu bewegen, die Bücher zu lesen, die ich mag.

Meine Kritik an mich selbst:
Ich lese im Moment Bücher ohne Pause. Kaum ist eins ausgelesen, schon fange ich das nächste an. Die Geschichten gehen an mir vorbei, wie die Landschaft bei einer Zugfahrt. Ich würdige die Bücher nicht so, wie ich es sollte. Wenn ein Rezensionsexemplar zu Hause auf mich wartet, überlese ich mein aktuelles Buch nur noch, um „meiner Pflicht“ nachzukommen. Das ist mir alles zu oberflächlich. Ich möchte mehr Qualität statt Quantität. Bevor ich in eine Leseflaute abrutsche, überdenke ich lieber die Gründe, warum die Flaute droht. Die Masse macht es.

Was ich also tun werde:
Schritt eins: Ich sortiere Bücher aus. Ich habe dabei festgestellt, dass es Geschichten gibt, an die ich mich nicht mehr wirklich erinnere. Als hätte ich das Buch gar nicht gelesen. Ich habe viele Bücher aussortiert und ein bisschen tut es mir leid um die vielen Geschichten. Aber ich habe vor allem die Bücher aussortiert, die mich an andere Bücher erinnern. Immer das gleiche lesen langweilt eben doch. Ich habe versucht nur die Bücher im Regal zu lassen, die mich wirklich begeistert und gefesselt haben. Und nicht nur Bücher behalten, weil sie hübsch sind. Ich muss ehrlich zugeben, ich hatte erwartet größere Lücken zu finden. ;) Ich sortiere allerdings öfter mal aus, nur bisher nicht so radikal wie heute.

Schritt zwei: Ich werde natürlich offene Rezensionen sobald es geht „einreichen“ und natürlich werde ich nicht aufhören, Bloggerin zu sein, oder zu lesen und zu rezensieren. Ich werde weiterhin meine Lieblingsautoren unterstützen und deren Bücher lesen und rezensieren. Aber ich werde weniger Rezensionsexemplare anfragen, nur weil ich sie bekommen kann. Ich werde noch kritischer mit der Auswahl sein und dafür vielleicht öfter mal ein Buch aus meinem Regal lesen, wie ich es schon seit vier Jahren vor habe. Es ist nicht schön einen SuB zu haben, denn oft gehen wirklich tolle Bücher darauf verloren und man verliert nicht nur aus den Augen, welche Bücher noch auf einen warten, sondern verliert vielleicht auch das Interesse an ihnen. Wie oft habe ich schon Bücher gekauft oder bekommen, weil sie richtig spannend klingen und nie gelesen, sondern irgendwann wieder aussortiert, weil sie schon so lange sub‘en. Das haben sie nicht verdient

Schritt drei: Öfter mal sich die Zeit zum Lesen nehmen, und das nicht immer irgendwie dazwischen schieben. Dem Buch Zeit geben, die es verdient, um mich zu fesseln und in die Welt eintauchen zu lassen. Mehr Spaß beim Lesen, den Druck nehmen und auch zur Ruhe kommen.

Worauf will ich eigentlich hinaus?
Ich habe mich mit meinem Nordmann über meinen Bücherkonsum unterhalten, und er hat mir die Augen geöffnet. Er hat mir gezeigt, was ich eigentlich schon weiß: Ich konsumiere ohne Hirn und Verstand. Ich lasse mich von Büchern berieseln, wie andere auf der Couch mit RTL. Ich weiß, niemand schaut wirklich diese Sendungen, genau wie niemand wirklich die Bild liest, trotzdem ist es eine der meist gelesenen Zeitungen.
Deswegen mehr Qualität, weniger Masse. Das hoffe ich auch auf meine Rezensionen übertragen zu können. Weniger abgedroschene Floskeln, mehr Begeisterung.
Wir haben unglaublich viele Neuerscheinungen jedes Jahr. Und oft sind auch Geschichten und Bücher dabei, die an andere erinnern. Warum genießen wir nicht öfter mal, was wir haben, anstatt wiedergekaute, oberflächliche Kopien zu lesen? Für mehr Geschichten, die einzigartig sind. Auf dass diese Bücher auch die Rezensionen kriegen, die sie verdienen.

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Nach dem Aussortieren

umgeräumt und fertig