Mittwoch, 17. Januar 2018

Gastrezension: Die Uhr und der Kerzenhalter




Die Schöne und das Biest
Die Uhr und der Kerzenhalter


- über die 2017er Realverfilmung von "Die Schöne und das Biest" -



Einleitend möchte ich klarstellen, daß sowohl Kenntnis des 1991er Zeichentrick, als auch der 2017er Realverfilmung vorausgesetzt werden und daß ich mich weder auf das ursprüngliche Material, welches bereits dem Disneyfilm von 1991 als Vorlage diente beziehe, noch geht es mir um irgendwelche unterschwellige Propaganda in Disneyfilmen, bzw. allgemeine Kritik am Konzern Disney. Hier spricht lediglich eine enttäuschte Seele, die mit "Die Schöne und das Biest" (welcher im Folgenden von mir als "Original" betitelt wird) groß wurde und viele Jahre später zusah, wie ein einst so traumhaft schöner Film respektlos mit Füßen getreten wurde.


Emma Watson! Ich bin kein Fan von ihr, doch habe ich ebensowenig Negatives über sie zu sagen. In den Harry Potter Filmen - durch welche sie wohl die meisten kennen werden - habe ich sie sehr gern gesehen. Als dann eine weitere Realverfilmung von "Die Schöne und das Biest" angekündigt wurde, was bei ähnlichen Titeln zur Zeit im Trend zu sein scheint, war ich äußerst erfreut über diese Neuigkeit, da jener Film in meiner Kindheit mein Lieblingsfilm aus dem Hause Disney war und es auch bis heute geblieben ist. Doch schon den ersten Zeilen diverser Seiten im Internet war zu entnehmen, daß Emma Watson die Rolle der Belle spielen würde. Warum nur? Ich dachte an die Belle meiner Kindheit zurück und so sehr ich mir auch Mühe gab, gelang es mir nicht, diese beiden Personen miteinander zu verbinden. Hätten sie nicht, wie damals Natasha Henstridge für "Species", eine unverbrauchtere Darstellerin für Belle finden können, um sie optisch passend auf die Leinwand zu bringen? Den 1991er Film nur im Hinterkopf war es schon schwierig genug, Emma Watson in dieser Rolle zu akzeptieren, doch nachdem ich beide Filme an einem Abend in direkter Folge sah, war es umso unverständlicher, wie jemand der Meinung gewesen sein konnte, Emma Watson sei eine gute Wahl gewesen für die Rolle der Belle. Ihre einst liebevolle und hilfsbereite Ausstrahlung aus dem Original ist wie weggefegt. Stattdessen sah ich eine junge Frau, die ihren Job macht. Leidenschaftslos, gestellt, jeglicher Authentizität beraubt. Schon das erste Lied wirkt aufgesetzt und künstlich. Sie ist nicht Belle. Sie spielt nur eine Rolle und diese nicht überzeugend.

Das Original zeigte die Vorgeschichte anhand von verschiedenen Standbildern. In der Realverfilmung wurde darauf verzichtet. Stattdessen bekommt man übertrieben geschminkte Menschen, wie Clowns aus einem Zirkus, zu sehen. Größter Kritikpunkt der Vorgeschichte ist jedoch die Reaktion des Prinzen auf die Hexe. Im Original sah sie etwas gruselig aus. Sie wirkte nicht sehr vertrauenserweckend und auch wenn ich seiner Entscheidung nicht zustimme, so konnte ich zumindest nachempfinden, warum der Prinz sie wegschickte. In der Realverfilmung hingegen sieht die Hexe aus, wie eine liebe, nette, alte Dame. Sie betritt zwar das Schloß nach dem Klopfen ohne eine Genehmigung einzutreten, doch ich wage zu bezweifeln, daß dies ausreichend rechtfertigt, sie wegzuschicken. Entweder der Prinz ist der herzloseste Mensch auf diesem Planeten oder die Darstellung der Hexe ist ungeschickt. Wenn der Prinz tatsächlich so herzlos ist, eine solche alte, nicht bedrohliche Frau wieder wegzuschicken und sich mit all seiner Gefolgschaft über sie lustig zu machen, dann bezweifle ich sehr stark, daß er - ganz gleich wie lange er ein Biest ist - jemals zu einer Einsicht kommt, er könne falsch gehandelt haben. Die Eingangsszene ist daher in meinen Augen ein Charakterbruch mit dem des Biests, wie ich es kennen gelernt habe.

Die Neuverfilmung beginnt danach, wie das Original, in Belles Dorf. Die Illusion wäre perfekt, würden Bühnenbildner zwischen den Dorfbewohnern durch das Bild rennen. Denn der gesamte Film wirkt wie ein einziges Theater. Zugegebenermaßen ein sehr schönes und ansehnliches Theater. Wäre da nicht dieses kleine Problem, daß es eben kein solches ist. Es ist ein Film, der - sofern man nicht George Lucas heißt - für die Zukunft so bleibt, wie er ist. Ein Theater verändert sich mit jeder Aufführung und lebt mMn davon, daß es nicht perfekt ist. Dies macht einen gewissen Charme aus. Nicht jeder Darsteller ist identisch, jeder bringt seine eigene kleine Interpretation mit hinein. Nicht aber in einem Film. Ein Film ist ein von Anfang bis Ende konstruiertes Abbild einer Vision, an der man so lange schrauben und werken kann, bis sie perfekt ist - oder das Geld alle. Als hätte ein Zuschauer mit einer sehr guten Kamera ein Theaterstück gefilmt, plätschert so die Geschichte vor nach "Kulisse!" schreienden Umgebungen vor sich hin.
Dieses Gefühl, ein Theater anzusehen, wird weiterhin verstärkt, als zusätzliche Charaktere wie Gaston, LeFou oder Belles Vater ins Spiel kommen. Gaston, welcher in den Gesichtszügen und der Kleidung nicht unpassend dargestellt ist, versagt dafür auf persönlicher Ebene gänzlich. Ist er im Original ein hinterhältiger Gegenspieler der guten Seite, finster und böse, so verkommt er nun zu einem 0815-Möchtegern-Schönling, ohne jeglichen Tiefgang und das bei einem Charakter, der sowieso schon alles andere als tiefgründig war. Dazu kommt er körperlich nicht ansatzweise an das Original heran und sticht mit seiner farbenfrohen Kleidung kein Stück aus der ebenso bunten Dorfmenge heraus. Hier beißen sich die (versucht realeren?) Darstellungen der höheren Gesellschaftsschicht zu Beginn des Films, mit denen der Dorfbewohner. Alle sehen aus wie Paradiesvögel. Belle, der einzig wahre Paradiesvogel, teilt leider das gleiche Schicksal. Sie geht unter in einer bunten Masse. Auch LeFou ist nicht mehr der, welcher er einst im Original gewesen ist: Ein kleines, unförmiges Anhängsel von Gaston. Nicht der Hellste, doch aber das Hirn der beiden, hat LeFou alles unangefochten über sich ergehen lassen was Gaston ihm auftrug oder antat, wie es sich für einen braven Untergebenen gehört, der keine eigene Meinung hat. LeFou schien dieser Rolle aber keineswegs abgeneigt. Er ist einfach so. In der Realverfilmung hingegen hat er einen eigenen Charakter und rückt mehr in die Rolle eines "Sidekicks" wie bei Superhelden, allerdings ohne Spezialfähigkeiten und wesentlich unbedeutender. Dadurch bleibt eine Menge Humor zwischen LeFou und Gaston auf der Strecke. Der Unterschied zwischen Gaston und LeFou im Original war immens. Gaston böse und gemein, LeFou ein austauschbarer Mitläufer. Es scheint, als würden sie beide in der Realverfilmung voneinander abhängig sein.
Das zuvor genannte persönliche Versagen zieht sich leider durch den Großteil der auftretenden wichtigen Charaktere. So war Belles Vater ursprünglich Erfinder, ein verrückter, kleiner und dicklicher "Professor", der mit mehr Glück als Verstand seine Erfindungen zusammen gehämmert hat. Liebenswert, trottelig, sehr sympathisch und all das sehr wichtig, um später im Original Belles große Sorge um ihn nachvollziehen zu können. Gemacht haben sie aus ihm eine gewöhnliche, belanglose, selbstsichere, schlanke und absolut austauschbare Persönlichkeit. Die liebevolle Beziehung zu Belle und ihrem Vater ist wie vom Erdboden verschluckt. Weiterhin ist er nun Uhrmacher. Mit diesem Beruf musste seine Schusseligkeit weichen und wurde durch Perfektionismus und akkurates Arbeiten ersetzt. Traumhaft.
Es folgt eine grauenvolle CGI-Szene, in der Belle aus dem Dorf, singend in die nahen Hügel rennt und die Kamera ein Panorama der Umgebung zeigt. War im Budget kein Geld mehr für 'ne Wiese? Diese Szene allein beschreibt hervorragend den gesamten Film: Leidenschaftslos, künstlich, kalt.

Nachdem Belles Vater den Wölfen entkommen und am Schloss angekommen ist, erkundet er völlig selbstverständlich und mit selbstsicherem Gang den Eingangsbereich des Schlosses. Natürlich passend zu seinem neuen Charakter. Nein! Ihr Vater wurde gerade beinahe von Wölfen getötet, ihm ist furchtbar kalt, er hat Angst und so sollte er sich auch verhalten! Das Biest entdeckt ihn, er wird eingesperrt, das Pferd rennt zurück, usw. usf.
Als das Biest im Original nun das erste Mal ins Licht tritt, war dies ein sehr einschüchternder Moment. Es ist furchteinflößend und wirkt bis auf seine Kleidungsreste geradezu unmenschlich. Nichts davon in der Realverfilmung. Wie auch zuvor als Belle auf die Wiese rannte, wirkt das Biest lieblos animiert und darüberhinaus viel zu menschlich. Es hat den Titel "Biest" nicht einmal verdient. Wenn ich mir den Prinzen am Ende des Filmes mit übertrieben viel Haaren im Gesicht vorstelle, komme ich auf das gleiche Ergebnis. Es geht keinerlei Bedrohung mehr von ihm aus.
Immerhin sind nun die beiden eigentlichen Protagonisten des Films "vereint" und ihre Beziehung.. Moment, was? Wie schön war es im Original anzusehen, wie sehr das Biest mit sich selbst zu kämpfen hatte. Es war von inneren Konflikten mit sich selbst zerrissen und wusste ganz genau was es bedeuten könnte, daß ein solch hübsches Mädchen sein Schloß betritt. Doch eben jene Konflikte und sein langes Dasein als Biest machten es ihm umso schwerer aus seiner Haut zu gehen und den menschlichen Part seiner selbst zuzulassen. Erst durch die Hilfe seiner Bediensteten, gelang es ihm, sich Stück für Stück zu öffnen. Und die Bediensteten mussten dafür einiges über sich ergehen lassen. Das Biest ging mit ihnen alles andere als zaghaft um!
Dann kam jedoch die Neuverfilmung. Eine sich entwickelnde Beziehung zwischen Belle und dem Biest ist quasi nicht vorhanden. Es ist ein Skelett, eine Idee einer Beziehung, die es eventuell mal werden sollte. Aussagekräftige Mimik, Persönlichkeit, dieses gewisse Etwas zwischen den beiden ist unauffindbar. Ich denke dabei bspw. an die Szene im Original, als das Biest Belle zum Abendessen "einlädt". Das Biest kämpfte mit sich, um Gefühle zu äußern, seine Stimme zu ändern und seinen gewohnten Befehlston anzupassen. Zwar fiel es am Ende der Szene wieder in seine alten Muster zurück, so zeigt sie aber sehr schön, wie sehr das Biest im Konflikt mit sich selber steht. All dies spiegelt sich auch im Gesicht des Biestes in selbiger Szene wieder. Vergleicht man diesen Part mit der Realverfilmung, bleibt davon nur eine leere Hülle. Bedeutungslose Mimik, emotionale Flatline. Ebenfalls kommen die Bediensteten in dieser Version deutlich besser davon. Ein großes Ringelpiez mit Anfassen, jeder ist glücklich und keinem wird auf die Füße getreten. Leider ist dies nicht das einzige Problem mit dem Personal. Das Problem ist das Personal. Wie die Überschrift bereits verrät, sollte dieser Film besser "Die Uhr und der Kerzenhalter" heißen, denn hier war offenbar jemand äußerst stolz auf seine Computereffekte und es wird keine Gelegenheit ausgenutzt, um dies dem Zuschauer immer und immer wieder in Erinnerung zu prügeln. Das Biest und Belle sind Nebendarsteller in ihrem eigenen Theater.. ich meine Film. Es ist einfach schade. Sie gingen sogar so weit, aus dem Kerzenhalter einen Menschen zu machen - sozusagen. Alle Einrichtungsgegenstände, bzw. Bediensteten sehen sehr gelungen aus und bei den meisten sind ihre menschlichen Anspielungen gut integriert und versteckt angedeutet. Doch bei dem Kerzenhalter haben sie den Bogen weit überspannt. Ein Straßenkünstler im goldenen Mantel und ein paar Kerzen in den Händen wären günstiger gewesen, als diese aufwändigen CGI und zudem auch passender für dieses Theater. Anstelle jedem Sofa, jeder Couch oder jedem Klavier eine eigene Persönlichkeit aufzudrängen, hätte diese Zeit besser in die Beziehung zwischen Belle und dem Biest investiert werden sollen. Gleiches gilt für die CGI. Die Uhr und der Kerzenständer sehen aus wie.. einfach fantastisch, das meine ich ernst. Diese beiden Charaktere sind wundervoll animiert. Das Biest hingegen wirkt, als wäre beim Rendern der Daten keine Zeit mehr gewesen für die letzten Schichten. Es wirkt flach, eindimensional und farblos. Hmm. Passend zum Charakter. Wenn das so gewollt war: Gute Arbeit.

Manchmal sind es die Kleinigkeiten, die einen enormen Unterschied machen. So in der nächsten Szene, als das Biest Belle seine Bibliothek zeigt. Im Original ist sich das Biest über den Effekt, den dieser Raum auf Belle hat bewusst, übt sich aber dennoch in Bescheidenheit und erfreut sich an ihrer Reaktion, als es ihr die Bücher präsentiert. In der Neuverfilmung antwortet das Biest auf Belles überwältigenden Eindruck nur mit einem "I guess so". Das Biest sollte sich doch im Klaren sein, daß hier seine Rettung im Raum steht und etwas mehr Begeisterung an den Tag legen, in Anbetracht der Tatsache, was auf dem Spiel steht. Stattdessen macht es einen gelangweilten, passiven Eindruck.
Weniger gelangweilt, allerdings auch nicht so sympathisch schüchtern wie im Original, benimmt sich das Biest in der Szene außerhalb des Schlosses, als Belle mit Schnee wirft und das Biest das Pferd streichelt. Im Original steht quasi "schüchtern" auf seine Stirn geschrieben, in der Neuverfilmung ist die Situation etwas entspannter auf seiner Seite, was dem Charakter allerdings nicht wirklich schadet.
Dann ist da noch die kleine Szene im Original mit den Vögeln, die auf dem Biest sitzen und sich füttern lassen. Ja, was ist mit den Vögeln? Wo ist die Szene hin? Sehr schade, daß sie fehlt, sie war so herzlich. Stattdessen hat man sich lieber für eine gestückelte Hintergrundgeschichte zu Belles Mutter entschieden und diese über den Film hinweg hier und da eingestreut. Hat mich persönlich nicht gestört, ist aber ziemlich uninteressant gewesen. Vielleicht hätte das besser in einen Director's Cut gepasst, wenn es unbedingt einen geben müsste.
Ebenfalls etwas mehr Budget hätte Belles gelbes Kleid gebrauchen können. In der Neuverfilmung sieht es aus, als wäre es fünf Minuten vor Filmdreh von einem Praktikanten zusammen getackert worden sein. Es hängt an Belle hinunter wie ein Reststück Stoff einer Gardine. Und außerdem: Was sollen der Ohrschmuck und der lachhaft große Baumanhänger um ihren Hals? Merchandise? Dabei passt das Band des Anhängers farblich nicht einmal zum Kleid. Und wo sind eigentlich ihre Handschuhe? Stoff alle?

Nachdem Belle vom Biest frei gelassen wird und zurück in ihr Dorf kehrt, um sich um ihren Vater zu kümmern, entsteht ein weiterer kleiner aber sehr gravierender Unterschied zwischen den beiden Filmen. In der Neuverfilmung zeigt sie von sich aus den Spiegel, auf dem das Biest zu sehen ist und verrät es damit sozusagen in dem Moment, als sie das Dorf betritt. Im Original hat sie den Spiegel gar nicht erst zur Hand und holt ihn nur im letzten Moment, als allerletzten Ausweg, ihren Vater zu retten, um zu beweisen, daß er nicht verrückt ist. Im gleichen Atemzug geht sie sofort darauf ein, den Dorfbewohnern zu erklären, sie sollen sich nicht vom Anblick des Biestes täuschen lassen, es sei sehr herzlich. Das zeigt wie stark die Bindung der beiden im Laufe ihrer Bekanntschaft geworden ist. All ihre Handlungen spiegeln sich wie so oft in ihrem Gesicht wieder. Leider ist auch davon in der Realverfilmung nichts übrig geblieben.
Der Kampf zwischen den Bediensteten und Dorfbewohnern zum Ende ist in der Realverfilmung etwas modernisiert und entsprechend der Computereffekte angepasst. Auch der Showdown zwischen Gaston und dem Biest ist im Großen und Ganzen nicht weiter erwähnenswert, abgesehen von Gastons langweiligem Charakter. Im Original beinahe wahnsinnig, in der Neuverfilmung.. ich erinnere mich schon gar nicht, so langweilig war es.

Dann ist da noch das Ende. Die Liebesbekundung, der magische Moment, auf den wohl die meisten so lange gewartet haben. Original: Bevor das letzte Blatt der Rose fällt, gesteht Belle dem Biest ihre Liebe. Das letzte Blatt fällt und der Fluch beginnt sich zu lösen. Schön. Realverfilmung: Das letzte Blatt fällt, die Hexe kommt an, Belle gesteht dem Biest ihre Liebe und der Fluch wird aufgehoben. Nichts magisches daran zu finden. Vielleicht magisch im Sinne von, daß alles bunt ist und überall Lichter sind, yeah. Der einst wirklich magische Fluch des Originals, welcher sich automatisch lüftet, wenn zwischen den beiden das starke Gefühl von Liebe entstanden ist, wurde hier zerstört. Nun sieht es so aus, als müsse die Hexe mit ansehen, daß Belle sagt, sie liebe das Biest (ob das stimmt oder nicht, kann sie niemals nachvollziehen). All das geschieht auch noch nachdem das letzte Blatt der Rose fiel. Ja, wie geht das denn? Unsinnig, Romantik gleich Null. Stimmungstöter aller höchster Klasse.

Die Lieder in der Realverfilmung sind gelungen, wenn mich auch die Darsteller in der Präsentation dieser nicht überzeugen konnten. Belle erinnert mich mehr an einen Fisch, welcher den Mund tonlos auf und zu macht, als das sie tatsächlich ein Lied sänge. Auch bei dem Lied, welches ihr die Bediensteten zum Essen singen, wirkt sie mehr wie eine ferne Beobachterin, als wäre sie tatsächlich Teil des Erlebnisses. Klar, alles um sie herum ist animiert, doch vom Kind-im-Süßigkeitenladen-Eindruck des Originals ist hier nichts mehr übrig. Sie sitzt nur ihre Zeit ab. Genauso habe ich mich beim Ansehen des Filmes auch gefühlt. Gedanklich ein wenig fern, genaugenommen 1991-fern und nur körperlich anwesend. Zwei mal habe ich den Film gesehen, weil ich mir meine Kritik nach dem ersten Durchlauf nicht so recht eingestehen wollte. Leider wurde es nur schlimmer.
Wie man eine respektable Realverfilmung von "Die Schöne und das Biest" macht, die diesen Titel auch verdient, sieht man hingegen sehr schön an der französischen Version aus dem Jahr 2014, welche sich zudem auch noch mehr an der geschriebenen Geschichte orientiert. Belle entspricht zwar auch in dieser Version nicht meiner Idealvorstellung aber aufgrund der anderen Herangehensweise an das Material stört mich das keineswegs. Vielmehr stellt dieser Film eine andere Interpretation der (ursprünglichen) Geschichte dar und somit kann ich die Charaktere auch losgelöst von der Disney-Vorlage betrachten. Insbesondere ist diese ältere Variante ein Märchen und dies zeigt sich in jeder einzelnen Szene. Ein liebevoll mit Leidenschaft kreiertes Märchen. Die neuere Realverfilmung versuchte zu kopieren und scheiterte grandios, die ältere Realverfilmung interpretiert und dies gelang ihr vorzüglich.
Für mich ist die neue Realverfilmung eine einzige große Enttäuschung. Computereffekte sind die wahren Hauptdarsteller, wodurch die eigentliche Geschichte auf der Strecke bleibt, im besten Fall nur mit gezerrt wird, um die nächsten CGIs zu rechtfertigen. Gäbe es in dem Film mehr Explosionen, würde es mich nicht wundern, wenn Michael Bay Regie geführt hätte. Ohne Herz und ohne Seele.


Was soll eigentlich diese dämliche Kleidung und Schminke, die die Bediensteten in der Realverfilmung tragen? Ist das ein weiterer Schritt in Richtung Realismus, um die Epoche in der der Film spielt authentischer zu machen? Sofern dies der Fall ist, frage ich mich, aus welchem Grund schwarze Frauen mit weißen Männern tanzen dürfen und Schwule dabei sind. Ach ja, LeFou ist übrigens auch schwul. Scheiß pc.






karg, 2018